Pro Kind: Prävention durch frühe Förderung


 
Projektdauer

November 2006 bis Dezember 2012

ProjektmitarbeiterInnen

Tilman Brand
Vivien Kurtz
Mareike Otto
Mona Bode
Svenja Burtschik
Inga Röring

Finanzierung

TUI-Stiftung (biopsychosoziale Evaluation Niedersachsen)
Günter-Reimann-Dubbers-Stiftung / Dürr-Stiftung (Implementationsforschung Niedersachsen)
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(Implementationsforschung und biopsychosoziale Evaluation in Bremen und
Sachsen; Kosten-Nutzen-Analyse in Bremen, Niedersachsen und Sachsen)
Sozialminsterium Sachsen (Implementationsforschung und biopsychosoziale Evaluation in Sachsen).

Kooperationspartner

National:
Prof. Dr. Tanja Jungmann (ISER, Universität Rostock, Leitung der Implementationsforschung und der biopsychosozialen Evaluation)
PD Dr. Peter F. Lutz (Institut für Öffentliche Finanzen, Leibniz Universität Hannover, Leitung der Kosten-Nutzen-Analyse)
Prof. Dr. Kai von Klitzing (Universitätsklinikum Leipzig, Kinder- und Jugendpsychiatrie)
Prof. Dr. Hüsamettin Günay (MHH, Leitung der zahnmedizinischen Begleitforschung)

International:
Prof. Dr. David Olds (Direktor des Prevention Research Center for Family and Child Health, University of Denver, Colorado)

Kurzbeschreibung


Das KFN hat gemeinsam mit Frau von der Leyen die Initiative für ein Projekt zur frühen Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien ergriffen. Träger der praktischen Durchführung des Modellprojektes ist die Stiftung Pro Kind, die 2006 gegründet wurde.

"Pro Kind - Wir begleiten jungen Familien", ist ein Modellprojekt, das sich die Prävention familiärer und kindlicher Probleme, insbesondere die Verhinderung kindlicher Vernachlässigung und des Kindesmissbrauchs sowie die Förderung sozialer Integration zum Ziel gesetzt hat. Es ist im November 2006 in Niedersachsen und im Mai 2007 in Bremen in seine Hauptphase gestartet. Als weiteres Bundesland ist Sachsen im Dezember 2007 hinzukommen. Bis Ende 2009 wurden 755 Frauen in das Modellprojekt aufgenommen, von denen 393 Frauen im Rahmen von Hausbesuchen durch "Pro Kind" begleitet wurden. Alle Frauen und ihre Kinder nehmen an umfassenden Datenerfassungen teil.

Projektbeschreibung

Das Programm dient auf der Ebene des Kindes der Förderung der emotionalen, kognitiven und sozialen Entwicklung sowie der Prävention von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch, indem es die Eltern zu den primären Adressaten der Intervention macht: Gesundheitsbezogenes Verhalten wird bereits während der Schwangerschaft gefördert und die Bindung zum Kind wird über die Stärkung der elterlichen intuitiven Erziehungskompetenzen verbessert. Auf der Ebene der Mutter bzw. der Eltern wird auf den Auf- bzw. Ausbau der formellen und informellen Netzwerke hingewirkt. Darüber hinaus zielt das Projekt langfristig auch darauf ab, den Familien ökonomische Eigenständigkeit und damit Unabhängigkeit von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zu ermöglichen, womit sich die Hoffnung verbindet, staatliche Unterstützungskosten reduzieren zu können.

Es basiert auf der Konzeption des in den USA seit nunmehr 30 Jahren erfolgreich etablierten und evidenzbasierten Hausbesuchsprogramm "Nurse Family Partnership" (NFP) zur frühen Förderung von jungen, in finanzieller und sozialer Hinsicht benachteiligten Familien. Diese werden kontinuierlich durch "Nurses" (entspricht dem Berufsbild der Familiengesundheitsschwester) begleitet und unterstützt. Die Hausbesuche beginnen bereits vor der Geburt des Kindes und werden bis zu dessen zweitem Geburtstag fortgesetzt. Auch im Modellprojekt "Pro Kind - Wir begleiten junge Familien" werden Maßnahmen der aufsuchenden, klientenzentrierten Beratung von schwangeren Frauen durch professionelle Familienbegleiterinnen im Rahmen einer differenzierten Einzelfallbetreuung durchgeführt. Die Umsetzung erfolgt in Form zweier unterschiedlicher Projektvarianten in Niedersachsen und Bremen, die sich hinsichtlich des Familienbegleitungsmodus voneinander unterscheiden: entweder führt ein Familienbegleitungsteam (Hebamme + Sozialpädagogin) oder eine Familienbegleiterin (Hebamme) die Hausbesuche durch.

Die Implementationsforschung widmet sich vor allem der Frage, inwiefern sich das in den USA konzipierte und dort erfolgreich etablierte Programm auch in Deutschland umsetzen lässt (Prozessevaluation). Des Weiteren wird der Forschungsfrage nachgegangen, welche Auswirkungen sich aus den unterschiedlich gewählten Familienbegleitungsmodi (Familienbegleitungsteams vs. eine Familienbegleiterin) bezüglich der Erreichbarkeit der Zielgruppe, ihres Verbleibs im Projekt und der Umsetzbarkeit des Programmkonzepts ergeben. Darüber hinaus ist auch die Integrierbarkeit und Vernetzung mit bereits bestehenden sozialen Dienstleistungsangeboten Gegenstand der Implementationsforschung. Zu diesen Fragestellungen wurden bereits erste qualitative Expertenbefragungen mit kommunalen Vertretern, der Projektleitung und den Familienbegleiterinnen durchgeführt.

Im Bereich der biopsychosozialen Evaluation, in der mit Hilfe quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden insbesondere die Wirksamkeit des Projektes überprüft werden, werden zu fünf Erhebungszeitpunkten (zwei während, drei nach der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes) standardisierte Befragungen der am Projekt beteiligten Frauen durchgeführt werden. Der kindliche Entwicklungsstand wird u.a. mithilfe der Bayley Scales of Infant Development (BSID)-II (Reuner et al., 2007) und dem Sprachentwicklungstest für Zweijährige (SETK-2; Grimm, 2000) erfasst. Die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion wird mithilfe der Maternal Behavior Rating Scale (Mahoney, 2008) und des CARE-Index (Crittenden, 2006) ausgewertet.

Um mögliche Effekte des Programms eindeutig auf die durchgeführte Intervention zurückführen zu können, bedarf es eines randomisierten Kontrollgruppendesigns: die eine Hälfte der Frauen erhält alle sozialstaatlich verfügbaren Leistungen und eine finanzielle Entschädigung für den zeitlichen Aufwand, der durch die Begleitforschung entsteht (Kontrollgruppe). Die andere Hälfte der Frauen erhält zusätzlich dazu eine regelmäßige Familienbegleitung (Treatmentgruppe).

Die Datenerhebung bis zum Alter der Kinder von 12 Monaten ist abgeschlossen, es stehen noch Daten zum t4-Zeitpunkt (24 Monate der Kinder) aus. Die vollständige Datenerhebung wird Mitte 2012 beendet sein.


Publikationen

Adamaszek, K. & Jungmann, T. (2009). Das Modellprojekt „Pro Kind“ – Wir begleiten junge Familien. Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe. Berlin: Schriftenreihe der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (S. 105-121), Deutsches Institut für Urbanistik (DIfU).

Brand, T. & Jungmann, T. (2008). Implementation von kriminalpräventiven Programmen. Stand der Forschung und Desiderate. soFid Kriminalsoziologie + Rechtssoziologie 2008/2.http://www.gesis.org/dienstleistungen/fachinformationen/servicepublikationen/sofid/themenbereiche/kriminalsoziologie/

Brand, T. & Jungmann, T. (2010). Zugang zu sozial benachteiligten Familien. Ergebnisse einer Multiplikatorenbefragung im Rahmen des Modellprojektes „Pro Kind“. Prävention & Gesundheitsförderung, 2010, 5, 109-114.

Jungmann, T. (2008). Modellprojekt „Pro Kind“ – Prävention durch frühe Förderung. Schriftliche Fassung des Inputs im Rahmen der AFET-Fachtagung „Eltern stützen – Kinder schützen.“ AFET-Veröffentlichung Nr. 69, 75-84.

Jungmann, T. (2010). Das Hausbesuchsprogramm des Modellprojektes „Pro Kind“. In R. Kißgen & N. Heinen (Hrsg.), Frühe Risiken und frühe Hilfen (S. 183-193). Stuttgart: Klett-Cotta.

Jungmann, T., Adamaszek, K. & Kolanowski, M. (2008). Prävention, die in der Schwangerschaft beginnt - Das Modellprojekt „Pro Kind“ und Familienhebammen in Niedersachsen und Bremen: Kooperation statt Konkurrenz. Hebammenforum, 1/2008, 25-28.

Jungmann, T., Adamaszek, K., Helm, G., Sandner, M. & Schneider, R. (2010). Prävention von Kindeswohlgefährdung und Intervention im Kinderschutz: Vorläufige Befunde zur Wirksamkeit des Modellprojektes „Pro Kind“. IzKK-Nachrichten, Themenheft „Kinderschutz und Frühe Hilfen“, 22-27.

Jungmann, T., Brand, T. & Kurtz, V. (2011). Entwicklungsförderung im Rahmen Früher Hilfen – Vorläufige Befunde aus dem Modellprojekt „Pro Kind“. Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis, 43 (2), 291-302.

Jungmann, T., Kurtz, V. & Brand, T. (2008). Das Modellprojekt „Pro Kind“ – Eine Verortung in der Landschaft früher Hilfen. Frühförderung Interdisziplinär, 27 (2), 67-78.

Jungmann, T., Kurtz, V., Brand, T., Sierau, S. & von Klitzing, K. (2010). Präventionsziel Kindergesundheit im Rahmen des Modellprojektes „Pro Kind“: Vorläufige Befunde einer längsschnittlichen, randomisierten Kontrollgruppenstudie. Bundesges­und­heits­blatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, 53 (11), 1180-1187.

Jungmann, T. & Pfeiffer, C. (2010). Zur Notwendigkeit von Prävention aus kriminologischer Perspektive. In R. Kißgen & N. Heinen (Hrsg.), Frühe Risiken und frühe Hilfen (S. 17-46). Stuttgart: Klett-Cotta.

Jungmann, T. & Refle, M. (2011). Stärkung elterlicher Kompetenzen zur Prävention von Kindeswohlgefährdung. Frühe Kindheit, 03/11, 28-37.

Jungmann, T., Ziert, Y., Kurtz, V. & Brand, T. (2009). Preventing adverse developmental outcomes and early onset conduct problems through prenatal and infancy home visitation: The German pilot project „Pro Kind“. European Journal of Developmental Science, 3 (3), 292-298.

Kurtz, V., Brand, T. & Jungmann, T. (2010). Förderung der kindlichen Entwicklung im Rahmen Früher Hilfen? Erste Befunde zum Modellprojekt „Pro Kind“. Prävention & Gesundheitsförderung, 5 (4), 347-352.

Kurtz, V., Brand, T., Maier-Pfeiffer, A., Hartmann, S., Jungmann, T. (im Druck). Familien mit Migrationshintergrund als Zielgruppe Früher Hilfen - Erste Ergebnisse aus dem Modellprojekt „Pro Kind“. Prävention und Gesundheitsförderung.

Pfeiffer, C, Hosser, D., Maier-Pfeiffer, A. & Jungmann, T. (2005). Projektankündigung: Prävention durch Frühförderung – Modellversuch zur Prävention von Krankheit, Armut und Kriminalität für Kinder aus sozial benachteiligten Familien. IKK-Nachrichten 1-2/2005: Gewalt gegen Kinder, DJI e.V., 52-54.

Sierau, S., Brand, T., & Jungmann, T. (in press). Parental involvement in home visiting: Interpersonal predictors and correlates. Infant Mental Health Journal.

Sierau, S., Lehmann, E., & Jungmann, T. (in press). Fathers in disadvantaged families: The importance of parental self-efficacy and partnership satisfaction for infants' development and mothers' interactive style. Family Science.

Ziert, Y., Kurtz, V. & Jungmann, T. (2010). Gesundheit und Gesundheitsverhalten der Mütter in der Schwangerschaft – Ergebnisse des Modellprojektes „Pro Kind“. In I. Renner, A. Sann & Nationales Zentrum Frühe Hilfen (Hrsg.), Forschung und Praxisentwicklung Früher Hilfen. Köln: Nationales Zentrum Frühe Hilfen, S. 88-103.





  aktualisiert 01.2012