Kognitionspsychologisches Experiment "Freizeitverhalten und Lernen"


Teilstudie des Projektes "Mediennutzung und Schulleistung"
Projektdauer

April 2005 bis Mai 2009 (abgeschlossen)

ProjektmitarbeiterInnen

Dr. Florian Rehbein (Dipl.-Psych.) 
Dr. Thomas Mößle (Dipl.-Psych.) 
Dr. Matthias Kleimann (Dipl.-Medienwiss.)

Finanzierung

Volkswagenstiftung

Kooperationspartner

Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze (Otto-von-Guericke Universität Magdeburg)
Prof. Dr. Emrah Düzel (Otto-von-Guericke Universität Magdeburg)
Prof. Dr. Elsbeth Stern (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin)

Projektbeschreibung

In einem Experiment wurde die Fragestellung untersucht, ob schulrelevante kognitive Leistungen durch die Rezeption medialer Gewalt negativ beeinflusst werden. Hintergrund der Arbeit sind zum einen Forschungsdaten, die auf einen negativen Zusammenhang zwischen Bildschirmmediennutzung und Schulleistung hinweisen, zum anderen Erkenntnisse zum physiologischen Erregungspotential gewalthaltiger Medien. Untersucht wurden zwei Mainstreamhypothesen, zu denen bislang gerade in Hinblick auf die Computerspielnutzung kaum Daten vorliegen: Die Gedächtnis‐Defizit‐Hypothese postuliert, dass die Nutzung gewalthaltiger Medien als Post‐Learning‐Einfluss die Konsolidierung initial erlernter Wissensbestände beeinträchtigen kann. Die Konzentrations‐Defizit-Hypothese postuliert, dass die Nutzung gewalthaltiger Medien als Prä‐Learning‐Einfluss die Konzentrationsleistung und damit die nachfolgende Encodierung beeinträchtigen kann.

Untersucht wurde eine hinsichtlich der Merkmale Geschlecht, Bildungsniveau (2‐fach) und Computerspielnutzung (3‐fach) parallelisierte Stichprobe von N = 369 Versuchspersonen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren (M = 20.7, SD = 2.2). Als unabhängige Variablen wurden interaktive (Computerspiele) und nicht‐interaktive Medienbedingungen (Filme) realisiert und hierbei der Faktor Gewalt jeweils zweistufig variiert (2 × 2 Design). Zusätzlich wurde eine Explorationsbedingung berücksichtigt, bei der die Versuchspersonen nicht‐medialen Freizeitaktivitäten nachgingen. Zur Überprüfung der Hypothesen wurde eine schulähnliche Lernsituation nachgestellt, in welcher hinsichtlich der abhängigen Variablen die räumlich‐visuelle und verbale Gedächtnisleistung, die verbale Lernleistung und die Konzentrationsleistung erfasst wurden. Der Versuchsaufbau berücksichtigte hinsichtlich der Gedächtnis‐ und Lernleistung eine um 24 Stunden verzögerte Nachmessung am Folgetag der Untersuchung, um den isolierten Einfluss der Bedingungen auf die Gedächtnisfunktion Konsolidierung überprüfen zu können.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen in Übereinstimmung mit der empirischen Forschungslage, dass gewalthaltige gegenüber gewaltneutralen Bildschirmmedien in erhöhtem Maße Distresserleben beim Rezipienten auslösen. Besonders hohen subjektiven Distress bei der Nutzung gewalthaltiger Medien weisen Personen mit erhöhter Prosozialität, geringer habitueller Gewaltmedienexposition und geringer Präferenz für gewalthaltige Medien auf. Hinsichtlich der untersuchten kognitiven Leistungsparameter liefern die Daten jedoch keine Bestätigung der beiden untersuchten Interferenzhypothesen: Versuchspersonen weisen unabhängig vom Gewaltgehalt und der Art des gewalthaltigen Mediums dieselben kognitiven Leistungen auf. Ergänzende quasiexperimentelle Auswertungen weisen jedoch in Übereinstimmung mit der empirischen Forschungslage auf Zusammenhänge zwischen biographischen sowie aktuellen Mediennutzungsgewohnheiten und kognitiver Leistungsfähigkeit der Versuchspersonen hin. Weitere Forschung erscheint notwendig um zu ermitteln, inwieweit Mediennutzung und kognitive Leistungsentwicklung langfristig ineinandergreifen und einander wechselseitig beeinflussen können.

Veröffentlichungen


Rehbein F. (2011). Mediengewalt und Kognition: Eine experimentelle Untersuchung der Auswirkungen gewalthaltiger Bildschirmmedien auf Gedächtnis- und Konzentrationsleistung am Beispiel der Computerspielnutzung. Baden-Baden: Nomos Verlag. (Schnelle Direktbestellung über den Verlag)

Rehbein, F. & Mößle, T. (2010). Kognitives und emotionales Wirkpotential gewalthaltiger Video- und Computerspiele. Vortrag auf dem Kongress der Deutschen
Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie vom 24. bis 27. November. Berlin: 24.11.2010.


Rehbein, F., Kleimann, M. & Mößle. T. (2007). Impact of Violent Computer Games on Memory Consolidation and Concentrativeness. Poster im Rahmen der 115. Tagung der American Psycological Association (APA) vom 17. bis 20. August 2007 in San Francisco (USA).


 
   aktualisiert: 08.2011